Fußballcamp Aurich: Viele Nationen, viele Talente, ein Team

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Keine Europameisterschaft, kein World Cup: Fußball spielt in diesem Sommer keine große Rolle. Für die Kinder in der Jugendherberge Aurich allerdings dreht sich eine Woche alles nur um das runde Leder. Beim Fußballcamp verbessern sie ihre FAi??higkeiten und lernen neue dazu. Und das in einem internationalen Team, denn hier spielen geflüchtete und deutsche Kinder zusammen.

NeymarAi??rennt. Meter für Meter Richtung Tor, weiter, immer weiter. NeymarAi??kontrolliert den Ball, schiebt ihn mit der AuAYenseite seines rechten FuAYes am Abwehrspieler vorbei, holt dann zum Schuss aus. Eine Sekunde hoffen, bangen, dass es klappt. Dann der Knall. Latte! NeymarAi??schlAi??gt die HAi??nde Über dem Kopf zusammen, blickt zu seinen Mannschaftskollegen, zuckt entschuldigend mit den Schultern. Teamer Abdullah klopft ihm beim Zurücklaufen zum AnstoAY anerkennend auf die Schulter. „Schade, aber gut gemacht.“

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Natürlich: Der Junge auf dem Fußballplatz direkt hinter der Jugendherberge Aurich ist nicht der wahre Neymar. Aber Ai??hnlich, wie der brasilianischeAi??Fußballspieler es bereits in seinem Alter war, ist er ein echtes Talent. Renas ist neun Jahre alt, spielt in der E-Jugend in Esterwegen, trainiert zwei Mal die Woche. Eines Tages will er Fußballprofi sein, so wie Neymar. Wobei: den findet er eigentlich gar nicht so gut, gibt er zu. „Ich bin eher ein Fan von Messi.“ Aber das Trikot trAi??gt er trotzdem ai??i?? weil sein Vater es ihm geschenkt hat.

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Renas hat noch etwas mit NeymarAi??gemeinsam: beide spielen in einem internationalen Team. Der WeltfuAYballer bis vor Kurzem beim FC Barcelona in Spanien. Und RenasAi??beim Fußballcamp der Jugendherberge Aurich. Seine Mitspieler kommen aus Syrien, Afghanistan, sogar China, Renas hat seine Heimat in Syrien. Sie sind mit ihren Familien aus ihren LAi??ndern nach Deutschland geflüchtet. Woher sie kommen, was sie voneinander unterscheidet, spielt hier jedoch keine Rolle: auf dem Platz sind sie ein Team. Nur, wenn sie zusammenhalten, können sie gewinnen.

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„Kapuuuiiiii“, ruft SAi??ntke Campen, und zählt dann runter: „Zehn, neun, acht…“. Die Kinder und Teens rennen los, kommen von allen Seiten angelaufen, bilden einen Kreis um den 25-jährigen Teamer. Gemeinsam mit Abdullah betreut er das Fußballcamp. Schon als Kind hat er im Verein in Aurich gespielt, spAi??ter seinen Jugendleiterschein gemacht und die A- sowie C-Jugend trainiert. Dann hat er sich eine zweijährige Auszeit gegAi??nnt, ist mit einem 30 Jahre alten Kombi nach Marokko gefahren. Mittlerweile wohnt er in Hamburg, ist selbstständig als Grafikdesigner und engagiert sich unter anderem für die Hilfsorganisation Seawatch. Deswegen liegt ihm das Fußballcamp gleich doppelt am Herzen: „Zum einen finde ich hier einen Ausgleich zu meinem Berufsalltag, in dem ich viel sitze“, sagt SAi??ntke, der derzeit Illustration studiert und für den die Zeit mit den Kindern auch immer Inspiration für seine Werke sind. Zum anderen möchte er sich für Geflüchtete engagieren. „Bei Seawatch bin ich eher im Hintergrund tätig. Aber hier kann ich ganz aktiv etwas tun.“

Einer, der weiAY, wie wichtig das für die Integration und das Erlernen der deutschen Sprache ist, ist sein Teamerkollege Abdullah. Der 25-Jährige ist selbst vor zwei Jahren aus Syrien geflohen, ist mit dem Schlauchboot von der Türkei nach Griechenland Übergesetzt und hat sich dann Überwiegend zu FuAY auf den Weg nach Deutschland gemacht. Er hat sich Deutsch mit Youtube-Videos beigebracht ai??i?? und spricht mittlerweile fließend. „Aber in so einer gemischten Gruppe wie hier lernt man natürlich viel schneller“, sagt Abdullah. Nicht nur auf dem Feld ist hier nämlich Kommunikation alles: Auch bei den FreizeitaktivitAi??ten, wie etwa der Schnitzeljagd in der Stadt, müssen sie sich verständigen. „Die Kinder tauschen sich viel auf Deutsch aus.“

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So wie Jakob und Massih: Die beiden sitzen auf einer Mauer im Schatten, wAi??hrend die anderen DribbelnAi??üben. Jakob ist elf Jahre alt, lebt in Bremen und spielt im Verein. Profi will er nicht werden. „Mein Traum ist es, Landwirt zu sein und irgendwann den Hof von meinen Eltern zu Übernehmen“, sagt der Werder-Fan. Jakob ist mit seinem besten Kumpel Tjark nach Aurich gekommen, hat hier aber auchAi??neue Kontakte geknüpft. „Mir gefällt es, dass man hier so schnell so viele kennen lernt“, sagt er und zeigt auf Massih. „Ich habe hier schon richtig gute Freunde gefunden.“ Massih lAi??chelt. In der Jugendherberge wohnt er im Zimmer gegenÜber, aber eigentlich kommt der gebürtige Afghane aus Osterwald. „Wir reden viel miteinander. Das macht Spaß“, sagt er.

„Kapuuuiii!“, ruft SAi??ntke wieder, und das heiAYt: alle zusammenkommen. Es ist Mittagszeit an diesem heiAYen Mittwoch. Pause, verschnaufen, etwas essen. Heute gibt es Burger, natürlichAi??ohne Schweinefleisch.

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Danach: Zeit zur freien Verfügung, bis das nächste Spiel ansteht.

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Auch im Haus der Jugendherberge Aurich regiert der Fußball. Berühmte Zitate von Fußballspielern stehen an den WAi??nden, die Gruppenräume tragen passenderweise Namen wie „Teamgeist“. Dort treffenAi??sich nach der Pause alle zur Mannschaftsbesprechung.

Die ShirtsAi??von Müller, NeymarAi??und Ronaldo sind jetzt brandneuen Trikots gewichen. Der NiedersAi??chsische Fußballverband hat sie den Junior-Kickern zur Verfügung gestellt. Friedhelm Forbriger, Vorstandsmitglied des DJH-Landesverbandes Unterweser-Ems (hier im Interview), ist ehrenamtlich im Fußballverband in der „Kommission Vielfalt“ tätig und steht in regem Austausch mit Betreuern von FlüchtlingsfamilienAi??. Seit zwei Jahren macht er sich für Geflüchtete stark, hat für sie unter anderem eine Zirkusfreizeit in der Jugendherberge Meppen ins Leben gerufen und das „Fußballcamp für Flüchtlingskinder“ initiiert. Allein in diesem Jahr konnten so wieder 91 Flüchtlingskinder an den Angeboten in den beiden Jugendherbergen Aurich und Meppen teilnehmen. Und zwar kostenlos, denn die Programme werden Über das Bildungs- und Teilhabepaket und mit Hilfe der Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim sowie einiger beteiligter Kommunen finanziert. „Wir haben mittlerweile ein funktionierendes Netzwerk, in dem wir so tolle Aktionen wie das Fußballcamp erfolgreich umsetzen können“, freut sich Forbriger.

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Ahmed ist froh Über die Abwechslung. Der 15-Jährige hat seine Heimat Syrien vor sechs Jahren verlassen, lange Zeit Übergangsweise in der Türkei gelebt. Sein Vater ist vor drei Jahren nach Deutschland weitergeflüchtet, Ahmed mit seiner Mutter und Schwester ein Jahr spAi??ter hinterhergereist. Seit er in Deutschland ist, hat er das erste Mal das Gefühl, wieder zur Ruhe zu kommen, sagt er. Auch, wenn das nicht einfach ist. „Ich war in der sechsten Klasse, als wir geflüchtet sind“, erinnert sich Ahmed. „Hier in Deutschland bin ich direkt aufs Gymnasium gekommen. Ich konnte kein Englisch und kein Deutsch, das war eine Herausforderung.“ Aber eine, die er gemeistert hat. Hier im Fußballcamp spricht er Arabisch und Deutsch, gut die HAi??lfte der Teens kennt er Über eine FlüchtlingsfuAYballmannschaft in seiner Stadt. „Aber hier ist es gut, dass die Mannschaften gemischt sind, so kommt man in den Austausch. Und die Teamer sind nett, wir verstehen uns gut“, sagt er und zwinkert Abdullah zu. Mit seinen Zimmerkollegen sitzt er oft noch bis tief in der Nacht auf den Doppelstockbetten. „Hier hat man mal richtig Zeit zum Reden.“

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SAi??ntke steht derweil vor dem Tor und wirft den Kids die BAi??lle zu. Auf SchulterhAi??he, damit sie ihn Volley oder per Fallrückzieher nehmen können.

Ein Kind nach dem anderen läuft nach vorne, um kleine Hütchen herum, und versucht dann, den Ball im Flug zu erwischen. Klappt das, gibt es Applaus von den anderen, klappt es nicht, ermuntern sie einander zum nächsten Versuch. „Auch, wenn man hier mal gegeneinander spielt“, sagt der neunjährige Renas und streicht sich mit den HAi??nden das Neymar-Trikot glatt, „wir sind ein Team.“

Die Jugendherberge Aurich ist perfekt für alle, die Sport lieben! Mit dem großen Kunstrasenplatz direkt hinter dem Haus, dem Schwimmbad um die Ecke und zahlreichen anderen Möglichkeiten, als Schulklasse, Verein oder mit der Familie aktiv zu werden. Mehr Infos dazuAi??findet Ihr hier.

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