Ehrenamtlich unterwegs und eine Menge Spaß dabei: Pia und Nico machen den JuLeiCa-Schein

Wer checkt eigentlich so in den Jugendherbergen im Nordwesten ein? Frag ich mich immer wieder und strecken meine Fühler dementsprechend weit aus, wenn ich in einem Haus vor Ort bin. Vor Kurzem traf ich so in Bensersiel eine Gruppe von Segelflieger. Letzte Woche war ich in der Jugendherberge Damme, um die Teamer-Schulung zu begleiten. Dort liefe mir Pia und Nico sowie Diakon Kimm Herlyn über den Weg, die ebenfalls mit einer großen Gruppe im Haus waren. Was bringt Euch denn hierher, wollte ich wissen. Ihre Antwort: „Wir machen den Juleica-Kurs“.

Juleica Kurs Jugendherberge Damme 2015

Ju-was? Ich hörte den Begriff zum ersten Mal. Und konnte damit nicht verbergen, dass ich schon etwas länger kein aktives Kirchenmitglied mehr bin. Ganz im Unterschied zu Pia und Nico. „Juleica“ ist nämlich die Abkürzung für die Jugendleiter/in-Card. Diesen Ausweis erhalten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Jugendarbeit, die mindestens 16 Jahre alt und für ihre ehrenamtliche Arbeit nach festgelegten Standards qualifiziert sind. Sie leiten beispielsweise eine Jugendgruppe, führen als Teamer Seminare durch, arbeiten in Jugendzentren und kommunalen Initiativen oder begleiten Ferienfreizeiten. Und genau das wollen Pia und Nico auch tun. Sie sind erst 15, allerdings schon jetzt in der evangelischen Kirche Osnabrück sehr aktiv. In diesem Sinne sehen sie den Juleica-Kurs auch nicht als Neubeginn einer ehrenamtlichen Arbeit, sondern als Vertiefung ihrer bisherigen Tätigkeit.

„Solch ein fünftägiger Aufenthalt hier in der Jugendherberge Damme dient tatsächlich nicht nur dazu, Neues zu lernen, sondern auch dazu, die bisherigen Erfahrungen und Erlebnisse zu reflektieren“, beschreibt Kimm Herlyn, der als Kirchenkreisjugendwart im Einsatz ist. „Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer arbeiten jeden Tag selbständig in Gruppen miteinander. Beispielsweise bereitet jede eine Andacht vor. Dabei geht es uns aber eben nicht nur um die religiöse Betrachtung des Ergebnis, sondern vor allem um die Beobachtung der einzelnen Phasen in der Gruppenarbeit. Die Jugendlichen verstehen dadurch noch besser, welcher Dynamik Teamwork haben kann, wie sie aktuell selbst damit umgehen und was sie noch tun können. Man kann sagen, sie bekommen entwicklungspsychologisches Handwerkszeug für die künftigen Aufgaben.“

Mehr Sicherheit als Teamer zu haben, darum geht es auch Pia in erster Linie. Erfahrung mit dem, was sie erwartet, hat sie bereits. Schon vor ihrer Konfirmationen hat sie sich für die Jugendarbeit in ihrer Gemeinde begeistert. „Ich habe schnell gemerkt, wieviel Spaß meine Gruppenleiter an dem haben, was sie tun. Das war ansteckend“, sagt die Schülerin aus Osnabrück. Nico, der Mitglied in der gleichen Gemeinde ist, ging es ähnlich: „Die Gemeinschaft steht immer im Vordergrund. Ich war unter anderem bei einer Freizeit auf dem Ijsselmeer dabei und wir hatten eine richtig gute Zeit. Das hat mich motiviert, mich auch zu engagieren.“

Jugendherberge Damme Andachtsraum

Sind diese beiden jungen Menschen eine Ausnahme oder gibt es mehr Jugendliche, die in der Kirche aktiv sind als ich bislang dachte? Ich frage den, der es wissen muss, Kimm Herlyn. „Auch wenn es merkwürdig klingt: Bei uns ist es so, dass eher zu viele als zu wenige Menschen aktiv mitarbeiten wollen“, antwortet er mir. „Im Anschluss an ihren Konfirmandenunterricht bleiben die Jugendlichen oft noch über Jahre dabei.“

Dementsprechend häufig ist er mit einem Juleica-Lehrgang in der Jugendherberge Damme zu Gast. „Für mich ist das hier schon ein bisschen Heimat geworden, sieben Mal im Jahr komme ich mehrere Tage am Stück hierher.“ Für das, was er in dieser Zeit mit den Gruppen auf die Beine stellen möchte, bietet die Jugendherberge seiner Ansicht nach hervorragende Voraussetzungen. Und das nicht nur wegen des eigenen Andachtsraum. „Das Gelände ist groß, das Gebäude recht verschachtelt und mit vielen Gruppenräumen ausgestattet. Das ist wirklich optimal. Beispiel gefällig? Wir nutzen den kleinen Innenhof immer wieder um die Situation nachzuspielen, in der Petrus in die Enge getrieben wurde. Wenn man selbst von Mauern und Menschen umzingelt ist, wird viel deutlicher, warum er vielleicht zum Verräter geworden ist.“

Ich selbst bin nicht gläubig. Und doch bin ich beeindruckt von dem, was mir Pia und Nico eine gute Viertelstunde über ihren Aufenthalt und ihr ehrenamtliches Engagement berichten. Denn ob bibelfest oder nicht, geht es bei allem um mehr Verständnis für sich selbst, seine Umgebung und darum, sich in einer Gemeinschaft so zu verhalten, dass man am Ende auf ein fröhliches Gruppenerlebnis zurückschauen kann. Nächstenliebe, soft skills, Empathie oder Teamgeist – man kann es nennen, wie man möchte. Wichtig ist eigentlich nur, genug davon zu haben.

  • Sandra Lachmann
  • Veröffentlicht in: Check In

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