Von schlotternden Knien und stolzen Gesichtern: Ein Besuch im Kletterpark Verden

„Naja, soooo herausfordernd sieht das jetzt ja nicht aus…“, murmelt Lukas, als wir zu dritt auf dem Parkplatz vor dem Kletterpark Verden stehen und unsere Augen zwischen den Bäumen hin- und herkreisen lassen. Lena und mir schießen Ähnliche Gedanken durch den Kopf. Wie voreilig sich unser vor Selbstvertrauen strotzendes Urteil doch erweisen sollte… Was wir mangels ausgiebiger Kletterpark-Erfahrung zu diesem Zeitpunkt nämlich unterschätzen: Von unten sehen einige Meter nach oben immer weitaus harmloser aus als umgekehrt. Und auch etwas anderes entdeckten wir vom Parkplatz aus noch nicht: den 8 Meter und den 10 Meter hohen Parcours auf der Rückseite der Jugendherberge Verden, die direkt an das Gelände angrenzt. Denn die beiden lassen schon von unten vermuten, dass einem oben die Beine weich werden.

Daher sind wir noch voller optimistischer Vorfreude, als wir entschlossenen Schrittes zum Kletterpark laufen, und felsenfest davon Überzeugt sind, dass wir uns genauso leichtfällig über die Hindernisse bewegen werden, wie Schülerinnen und Schüler es gerade tun.

Ankunft Ketterpark Verden Jugendherberge

Im Kletterpark treffen wir den Mann, der die Routen zwischen den Bäumen am allerbesten kennt, Timo. Er betreut den zur Jugendherberge Verden gehörenden Park seit seiner Entstehung 2010. Und wer jetzt glaubt, „betreuen“ würde ausschließlich bedeuten, die Personalplanung zu machen, die Anmeldung von Schulklassen zu koordinieren, alte Sicherungsgurte auszutauschen und am Ende des Tages die Kasse zu zählen, der täuscht sich gewaltig. Timo weiß genau, wovon er spricht, wenn er Gäste in das bevorstehende Kletterabenteuer einweist.

An jedem Öffnungstag absolviert er morgens alle Parcours, um die Unversehrtheit der Hindernisse unter die Lupe zu nehmen. Wie lange er dafür braucht, fragen wir ihn. Eine halbe Stunde. Eine halbe Stunde? Uns steht das erste Mal ungläubig der Mund offen. Entweder sind die Strecken wirklich kinderleicht oder wir haben es mit dem ungekrönten Kletterkönig von Verden zu tun. Wie wir in den kommenden zweieinhalb Stunden feststellen sollten, hätte Timo tatsächlich eine Krone verdient. Aber dazu gleich mehr…

Denn bevor es auf den Baum geht, werden wir erst einmal verpackt: Rein in den Sicherheitsgurt, Helm aufsetzen, Schmuck abnehmen und Taschen leeren, lautet die Devise. Im Anschluss demonstriert uns Timo dann an einem kleinen Parcours-Modell, wie man seinen Expoglider am Anfang eines Parcours auf das Sicherheitsseil setzt und wie man am Ende jeder Strecke die Seilbahnrolle für eine rasante Abfahrt nutzen kann.

Kletterpark Verden Expoglider

Was Timo zum Expoglider-System berichtet, hören wir gern: Es gilt als das sicherste System, das man in einem Kletterpark haben kann. Anders als bei einer Sicherung über zwei Karabiner, die man vor dem nächsten Hindernis neu einklinken muss, kann das Expoglider-System innerhalb des Parcours nicht gelöst werden. Einmal zu Beginn aufs Drahtseil geschoben, bewegt sich der Expoglider mit dem Gast zusammen das Seil entlang. Lediglich wenn man mit einer Gruppe unterwegs ist und sich plötzlich ein Mitstreiter als Angsthase entpuppt, hat das Ganze einen klitzekleinen Nachteil: Überholen geht nicht. Was aber wiederum Teams dazu bringt, die zögerlichen Kletterer zu motivieren und ihr Selbstvertrauen zu stärken. Ein Aspekt, der in den speziellen Teamtrainings, die der Kletterpark anbietet, eine zentrale Rolle spielt. „Die Angst beim Klettern ist nämlich eine reine Kopfsache“, sagt Timo und schickt Lukas, Lena und mich in die Bäume.

Wir entscheiden uns als erstes für den 6-Meter-Parcours. Ein schönes Mittelding zwischen Kinderhöhe und mutigem Abenteuer, denke ich beim Hochkraxeln noch zuversichtlich. Oben angekommen, macht sich das erste Mal ein merkwürdiges Bauchgefühl breit. Oje, so sehen sechs Meter also von oben aus, ahaaa. Einfach mal zugucken, wie Lukas das so macht…

6 Meter Parcours Kletterpark Verden

 

Gut macht er das. Und zugegebenermaßen: Auf dem Foto sieht es auch nicht sonderlich schwer aus, aber lasst Euch gesagt sein: das täuscht. Denn wie ich bei meinem sorgenvollen Passieren dieses Hindernisses spüren kann, gibt die Strickleiter unter dem eigenen Gewicht ordentlich nach und die Abstände zwischen den Seilen zum Festhalten sind länger als mein Arm. Dementsprechend schlottrig sind meine Knie bei diesem´Start. Ich bin froh, dass es Lena, die als nächstes dran ist, genauso geht. „Wie soll ich da denn rankommen?“, fragt sie sich verzweifelt, stellt den Fuß auf die schwankende Kordel, zieht ihn dann aber gleich wieder zurück. „Das geht doch gar nicht.“. Es geht dann doch. Während Lenas Beine nach dem ersten Erfolg wieder stärker werden, behalten meine allerdings den Status „weich wie Brei“. Deshalb trete ich bereits am zweiten Hindernis den Rückzug an und kraxel wieder runter. Grummelig, denn wer mag sich gern eingestehen, dass er Angst vor etwas hat. Aber auch das ist etwas, was man bei so einem Ausflug trainieren kann und muss: eigene Grenzen akzeptieren.

Und so beschränke ich mich erstmal auf das motivierende Anfeuern von Lukas und Lena vom Boden aus. Viel zu tun gibt es dabei allerdings nicht, denn die beiden balancieren souverän über schmale Balken, greifen routiniert an der Kletterwand zu und behallten auch beim Hangeln durch Netze eine gute Figur.

Sechs Meter Hindernis Kletterpark Verden

Kletterpark Verden Jugendherberge

Sechs Meter Hindernis Kletterpark Verden 2

Am Ende die traditionelle Abfahrt mit der Seilbahn – geschafft ist ihre erste Runde. Ein guter Zeitpunkt, die Blogger-Ehre zu retten: „Also, vier Meter würde ich nochmal versuchen!“ Gesagt, getan. Die zweite Strecke auf vier Metern Höhe erledigen wir dann tatsächlich zu dritt. Lukas und Lena wollen aber noch mehr.

Von unten inspizieren sie die Hindernisse des Acht-Meter-Parcous, dem zweithöchsten. Sollte zu schaffen sein, kommen sie überein und legen los. Während Lukas auch hier keinerlei Angst erkennen lässt, hat es das letzte Hindernis für Lena dann doch in sich. Aber auch hier macht sie ruhig und konzentriert weiter und steht nach einiger Zeit neben Lukas auf der Plattform, von der aus die Seilbahn sie nach unten bringe soll. Lukas macht wieder vor, wie es geht:

Seilbahn Kletterpark Verden

Auch Lena macht sich bereit zum letzten Absprung des Tages: Rolle aufs zweite Stahlseil setzen, in die Knie gehen, Schritt nach vorn, lossausen und…

abruptes Ende!

Kletterpark Verden Seilbahn Rettung

Nur zwei Meter schafft Lena es in Richtung Boden, dann stockt die Rolle. Sie ist vom Seil gerutscht und blockiert die weitere Abfahrt. Keine große Sache für Timo, denn das passiert hin und wieder. Schnell führt er ein zweites Seil hoch zu Lena, erklärt Ihr, wie sie sich umhakt – und schon ist die Rettung vollbracht. Ende gut, alles gut!

Kletterpark Verden

Für den letzten Parcours in zehn Metern Höhe fehlt nach zweieinhalb Stunden (ja, zweieinhalb Stunden für einen Teil von dem, was Timo in einer halben Stunde schafft!) leider die Zeit. Dass sie ihn beim nächsten Besuch auf jeden Fall probieren werden, darüber sind sich Lena und Lukas einig. Wiederkommen wollen wir am Ende nämlich alle. „Alle? Du auch?“ fragt Ihr Euch vielleicht. Ja, selbst ich hatte eine gute Zeit, obwohl ich nur einen Parcours geschafft habe. Zusehen und Mit-Freuen hat auch seinen Reiz, bei gutem Wetter von einem lauschigen Platz aus mit einem Eis in der Hand sowieso. Für Süßes dieser Art und ein paar Snacks ist vor Ort übrigens gesorgt.

Wiederkommen ist grundsätzlich an jedem Wochenende sowie allen Tagen in den Ferien möglich. Gruppen können sich aber auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten anmelden. Schulklassen, die in der angrenzenden Jugendherberge zu Gast sind, nutzen diese Möglichkeit gern.

Die genauen Öffnungszeiten, die Preise sowie weitere Informationen findet Ihr auf der Website des Kletterparks Verden.

So, und nun will ich natürlich wissen, wie es um Eure Klettererlebnisse bestellt ist. Gehört Ihr zur Gruppe „Tarzan & Jane“ oder seid Ihr Angsthasen wie ich? Erzählt mal!

  • Sandra Lachmann
  • Veröffentlicht in: Check In

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Reine Gewöhnungssache. Anfangs ging mir auch immer die Pumpe, aber wenn man es so 3-4 Mal überlebt hat, kommt einem das Gewanke und Gewackel manchmal sogar entgegen. Und die Aussicht auf dem 10er ist einfach etwas besonderes, besonders im Herbst.

  2. Pingback: #abcfee2015: Die Jugendherbergen im Nordwesten von A bis Z | Heiter bis stürmisch

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