Kinderbücher über Toleranz und gesellschaftliche Vielfalt: Empfehlungen von Rike Drust

Weihnachten steht vor der Tür und sicher werden viele von Euch auch in diesem Jahr Bücher verschenken. Wenn Ihr noch nach einem sinnvollen Titel für Kinder Ausschau haltet, haben wir genau das richtige für Euch: Eine Empfehlungsliste von Rike Drust.

Rike veröffenticht auf ihrem Instagram-Account @kinstabuch regelmäßig Empfehlungen für Bücher, die man oft nicht in den großen Buchhandlungen findet, deren Inhalte und Darstellungen aber besonders wertvoll sind. Bei unserem Familienblogger-Event #DJHmachtstark hat sie uns einige vorgestellt, die Vielfalt und Toleranz zum Thema haben, und die sie selbst gern mit ihren Kindern liest. Wir freuen uns, ihre persönlichen Empfehlungen auch hier teilen zu dürfen. Der Winter ist schließlich noch lang und die beste Gelegenheit für gute Bücher, die Kinder stark machen!

Tipps für Kinderbücher von Rike Drust

‚Alles Familie‘ von Alexandra Maxeiner und Anke Kuhl. Klett Kinderbuch. Ab 5.

Thema: Familienformen

Dieses Sachbuch stellt wertfrei verschiedene Familienmodelle und verschiedene Lebensweisen
vor. Ganz nebenbei wird auch kulturelle Vielfalt gezeigt. Es geht um Alleinerziehende,
Patchworkfamilien, homosexuelle Eltern und wie alle so leben. Das Buch ist ehrlich, wertfrei und
unterhaltsam.

‚Ich so, du so‘ von der Labor Ateliergemeinschaft. Beltz & Gelberg. Ab 9.

Thema „Normalität“, Großwerden

In diesem Buch finden sich Beiträge von verschiedenen Autor*innen zur Frage: Was ist eigentlich normal? Die Antwort: Alles. Beziehungsweise nichts. Es ist ein buntes, kreatives Buch, das so viel und so verschieden über Verschiedenheit zeigt, dass sie ganz normal wird. Gut zum „zufällig“ im Kinderzimmer von Großwerdenden rumliegen lassen.

‚So bin ich und wie bist du? Ein Buch über Toleranz.‘ von Pernilla Stalfelt. Klett Kinderbuch.
Ab 5.

Thema: Toleranz

Diese Autorin mit den eigenwilligen, bisschen hässlichen Illustrationen hat auch prima Bücher zu den Themen Tod, Liebe, Gewalt und Kacke gemacht. Hier geht es um Toleranz. Manchmal etwas grob, immer realistisch und eingängig erklärt und mit dem Ergebnis, dass ein buntes Wir eine sehr tolle Idee ist. Besonders die Definition von Toleranz ist bei mir hängengeblieben.

‚Wenn ich mal groß bin, werde ich…‘ von Dawid Ryski. Kleine Gestalten. Ab 4.

Thema: Gleichberechtigte Berufswahl

Dieses wunderschön illustrierte Buch kümmert sich selbstverständlicher um Vielfalt. Es stellt verschiedene Berufe vor, und das überhaupt nicht genderstereotyp, sondern paritätisch. Hier ist das Verhältnis von Männern und Frauen in verschiedenen Berufen paritätisch, und Jungen wie Mädchen sehen, dass sie tatsächlich alles werden können.

Geschichtenbüche über Toleranz & Vielfalt

‚Planet Willi‘ von Birte Müller. Klett Kinderbuch. Ab 4-5

Thema: Inklusion und Kinder mit Behinderung

Es geht um Willi, der Trisomie 21 hat, was im Buch aber gar nicht gesagt wird. Autorin (und Willis Mutter) Birte Müller erzählt Willis Geschichte so: Willi kommt von einem anderen Planeten und muss sich erstmal auf der Erde mit sich und seinen Bewohnern zurechtfinden. Die Geschichte ist ehrlich und traurig und lustig und erklärt das Down-Syndrom (doofer Name) auf wunderbare Art.

‚Echte Kerle‘ von Manuela Olten. Beltz & Gelberg. Ab 3-4

Thema: Klischees über Jungen und Mädchen

In diesem super illustrierten Buch machen sich zwei Jungs im Bett über Mädchen lustig. Mädchen ziehen nur Puppen an und aus und haben Schiss vor Gespenstern. Am Ende liegen die schissigen Jungs mit Teddys im Bett der selig schlummernden Schwester.

‚Meine Mama und ich‘ von Renata Galindo. NordSüd Verlag. Ab 4.

Thema: Adoption, Pflegefamilie, neue Mutter

In diesem ruhigen Buch kommt eine Katze zu ihrer neuen Mama und erzählt schlicht und trotzdem emotional von den Schwierigkeiten, ihren Gefühlen und der Liebe ihrer neuen Mutter.

‚Nur Mut, kleiner Luis‘ von Mario Ramos. Moritz Verlag. Ab 6 (Erstleser*innen)

Thema: Anderssein und Mobbing

Dieses Buch handelt von Luis, einem kleinen Wolf, der in eine Schule geht, auf die sonst nur Schweine gehen. Er wird gemobbt und ist sehr unglücklich. Eines der Schweine, Jojo, freundet sich jedoch mit ihm an und schmiedet mit ihm einen Plan, wie sie der doofen Mobbing-Schwein-Gang den Garaus machen können. Klappt!

‚Plötzlich war Lysander da‘ von Antje Damm. Moritz Verlag. Ab 4.

Thema: Geflüchtete und Anderssein

Eine Mäusefamilie bekommt Post vom Bürgermeister: Jemand soll ab jetzt bei ihnen wohnen. Es kommt Lysander, ein von seiner langen Reise sehr müder Lurch. Er verhält sich für die Mäusefamilie sehr sonderbar, und zuerst regt sie sich auf, am Ende ist die Zusammenführung aber für alle eine Bereicherung.

‚Der Mann, der eine Blume sein wollte‘ von Anja Tuckermann, Mehrdad Zaeri und Uli
Krappen. Tulipan. So ca. ab 4.

Thema: Wider den Erwartungen an Männlichkeit

In diesem für unsere Verhältnisse extrem poetischen Buch geht es um einen Mann, der sich wünscht, eine Blume zu sein. Und Frauenkleidung zu tragen. Und auf eine leise Art mit diesen Gedanken spielt.

‚Conni geht nicht mit Fremden‘ mit von Liane Schneider. Carlsen Verlag. Ab 4.

Thema: Nein-Sagen und nicht mit Fremden gehen

Unser einziges Conni-Buch 🙂 Aber zu diesem Thema finde ich es von allen, die ich bis jetzt gelesen habe, am besten. Conni geht allein von der Schule nach Hause und ein Mann spricht sie an. Sie erinnert sich, dass sie nicht mit Fremden gehen soll, und als sie den Mann komisch findet, schreit sie sich frei. Es wird nicht aufgeklärt, ob der Mann böse war oder nicht (und deshalb auch keine Angst gemacht), aber alle sagen, dass Conni richtig und gut gehandelt hat.

‚Ein Mann, der weint‘ von Mathias Jeschke und Wiebke Oeser. Hinstorff. Ab 4.

Thema: Konzept von Männlichkeit hinterfragen

Ein sehr ruhiges, eindringliches Buch. Einem Kind fällt erst ein weinender Mann auf und dann, dass Männer eigentlich nie weinen.

‚Tomatenrot oder Mobbing macht traurig‘ von Jan DeKinder. Atlantis. Ab 4.

Thema: Mobbing

Tom wird rot. Einem Mädchen fällt es auf, alle kichern und plötzlich wird er deshalb von Paul gemobbt. Die anderen Kinder haben selbst Angst vor Paul und trauen sich erst nicht, der Lehrerin zu berichten. Aber dann ist ein Mädchen mutig. Die Geschichte wirkt dank der schönen
Illustration und der ruhigen, eindringlichen Texte gar nicht erklärbärig.

 Geschichtenbücher, in denen Toleranz und Vielfalt nebenbei erzählt werden

‚Akissi‘ von Marguerite Abouet und Mathieu Sapin. Reprodukt. Ab 8.

Dieser Comic erzählt in kurzen Episoden von Akissi, die in einer Stadt an der Elfenbeinküste lebt. Sie erlebt tollen und bisweilen wirklich schrägen Quatsch, weil sie so herrlich eigenwillig ist. Und unsere Kinder lesen eine sGeschichte, in der ein schwarzes Mädchen aus Afrika die Hauptfigur
ist.

‚Der Miesepups‘ und ‚Der Miesepups hat was im Gesicht‘ von Kerstin Fuchs und Cindy
Schmid. Voland & Quist. Ab 4.

Der Miesepups ist ein grumpy Wesen aus Grünzeug. Er ist pöbelig schlecht gelaunt, findet sich hässlich und kriegt sein Leben nicht auf die Reihe. Er lernt das Kucks kennen, das ihn einfach mag, wie er ist. Das kann er erst nicht glauben und dann mag er es. So sehr, dass er sich im zweiten Band fragt, was sein Gesicht da Komisches macht, sobald er ans Kucks denkt. Spoiler: Er lächelt. So durchgeknallt kann es um Freundschaft und Selbstliebe gehen.

‚Der vollkommen normale Herr Gnirzdefrrrtz‘ von Martin Fuchs. Klett Kinderbuch. Ab 3

Warum finden die Leute, mit Herrn Gnirzdefrrrtz ist etwas nicht in Ordnung? Weil er einen Bart aus Tausendfüsslern hat? Weil sein Haus Popmusik über Kopfhörer hört? Weil er für Weihnachten ein Paar Feieraugen zum Essen in der Schublade hat? Kann ja gar nicht sein. Eine super durchgeknallte Geschichte übers Normalsein.

‚Das Zebra unterm Bett‘ von Markus Orths und Kerstin Meyer. Moritz Verlag. Ab 6
(Erstleser*innen)

Eines Morgens findet Hanna unter ihrem Bett ein Zebra, das Bräuninger heisst. Es kann sprechen und geht mit ihr zur Schule. Alle sind überrascht und schockiert (Lehrerin) bzw. begeistert (Mitschüler*innen) und die Tatsache, dass Hanna zwei „homosensationelle“ Papas hat, ist deshalb voll Nebensache.

‚Luzie Libero und der süße Onkel‘ von Pija Lindenbaum. Beltz & Gelberg. Ab 4.

Luzie liebt ihren Onkel Tommy sehr. Er bringt tote Schlangen im Glas von Reisen mit und färbt ihr die Haare. Und dann hat Tommy plötzlich einen Freund. Er heißt Günther und Luzie findet ihr richtig bescheuert. Ihre eifersüchtige Pöbeleien sind ganz wundervoll und auch das Ende ist happy: Luzie freundet sich doch noch mit Günther an. Ach ja, Tommy und Günther sind homosexuell, nä?

‚Wer hat Angst vor Einhörnern‘ und ‚Vampire tanzen nicht mit Feen‘ von Laura Ellen
Anderson. Schneiderbuch Egmont. Ab 6 (Erstleser*innen)

Amalia von Flatter lebt in Nokturnia, der dunklen Welt, in der tagsüber geschlafen wird (in Särgen) und ihr einer Freund der Tod für Kleintiere ist. Sie lernt den unfreundlichen, überheblichen Prinzen Marillo kennen und findet heraus, warum er so fies ist: Seine Mutter (eine FEE!!!) ist verschwunden und sein Vater ist deswegen schwermütig. Also machen sich Amalia und ihre schrägen Freunde auf den Weg nach Glitzeropolis, wo alles hell und fröhlich und glitzerig ist (voll gruselig), um die Mutter, eine Fee, zu suchen. Sie finden sie, weil sie der Fake-News-Verschwörung der Einhörner auf die Schliche kommen.

‚Pfoten hoch!‘ von Catharina Valckx. Moritz Verlag. Ab 4.

Hamster Billy hat einen Gangster zum Vater, der findet, Billy sollte mal böser werden. Er drückt Billy eine Pistole in die Hand, erklärt ihm, dass er damit auf Leute zielen und „Pfoten hoch“ rufen soll. Billy probiert das, aber statt Opfern sammelt er neue Freunde. Als der Fuchs sich einen
seiner neuen Freunde schnappt, macht Billy ernst: Er hält die Waffe hoch und schlägt den Fuchs in die Flucht. Großartig geschrieben und ein guter Anlass, um über das Wie beim Sich-Wehren zu sprechen.

‚Zeraldas Riese‘ von Tomi Ungerer. Diogenes. Ab 4.

Alle verstecken ihre Kinder vor dem fiesen Menschenfresser, der am liebsten Kinder frisst. Deshalb ernährt er sich nur von ekliger Pampe. Dann nimmt er Witterung auf: Zeralda, ein kleines Mädchen, das nichts von Menchenfressern weiss, ist allein unterwegs zum Markt. Der
Menschenfresser lauert ihr auf, stürzt unglücklich und liegt bewusstlos rum. Was macht Zeralda? Spanferkel. Und vieles mehr. Sie kocht so toll, dass der Menschenfresser sie bittet, mit auf sein Schloss zu kommen. Dort kocht sie für andere Menschenfresser*innen und die Welt wird wieder schön, weil niemand mehr die Kinder verstecken muss.

Habt Ihr Empfehlungen, die zu dieser Liste passen? Dann erzählt uns gern in den Kommentaren davon! Wir wünschen Euch an dieser Stelle schon einmal ein fröhliches Weihnachtsfest und gemütliche Lektürestunden!

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo, das Buch „Irgendwie Anders“ von Kathryn Cave ist auch sehr schön zum Thema Anders sein. Kurzbeschreibung von Google Books: Irgendwie Anders ist ein haariger, rundköpfiger Gnom. Überall lässt man ihn spüren, dass er ein Aussenseiter ist. Eines Abends bekommt er Besuch von einem haarigen rundköpfigen Etwas mit Rüssel, das sein Freund werden will. (ab 4)
    Viele Grüße, Lena

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