Hilfsprojekt Ubomi: Ein Herz für Township-Kinder

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Biggi Hägemann hat ein Herz für Kinder – vor allem für die vergessenen. Anfang 2016 reist die Programmentwicklerin der Jugendherbergen im Nordwesten in ein Township in Kapstadt, knüpft Kontakte und fasst den Entschluss: Gemeinsam mit den Menschen vor Ort möchte sie einen Verein gründen, um vernachlässigten und verwaisten Kindern zu helfen. Jetzt, nach einem Jahr der Organisation, wird sie vor Ort das erste Ubomi-Haus einrichten. Dort sollen Kinder künftig täglich eine warme Mahlzeit erhalten und Gemeinschaft erleben können. Aber: Dafür braucht sie Unterstützung.

Khayelithsa, Kapstadt, Januar 2016. Biggi Hägemann steht irgendwo in dem Meer aus Wellblechhütten des mit einer Millionen Bewohner größten Townships der Region – und hat ein merkwürdiges Gefühl. Die Enge, die Zustände, „das ist schon krass“, sagt sie, „das sind ungewohnte Umstände, die kann man kaum in Worte fassen.“ Aber sie fühlt sich nicht fehl am Platz, nicht einmal unwohl. Weil die Menschen vor Ort sie offen empfangen, und Biggi sofort mit ihrer Herzlichkeit und ihrem starken Zusammenhalt begeistern. Vor allem die Kleinsten unter ihnen.

Wenn Biggi von ihnen spricht, sagt sie: kleine Sonnenscheine. Sie selbst beginnt dann über das ganze Gesicht zu strahlen, weil sie diese Kinder tief berühren. „Es ist unglaublich, wie sie ihr Leben meistern“, sagt Biggi. „Für mich sind sie echte Helden.“ Sie weiß nicht, was die einzelnen Kinder schon erlebt haben, unter welchen Bedingungen sie aufwachsen, wie ihre Zukunftschancen stehen. Aber sie merkt: Die Kinder, die sie kennen lernt, sind oft hungrig. „Auch nach Liebe“, sagt Biggi. „Sie brauchen Menschen, die ihnen die Hand reichen.“ Deswegen fasst sie zum Ende ihrer Reise einen Entschluss: „Ich möchte versuchen, dass die Kinder an diese helfenden Hände kommen.“ Sie will etwas verändern, sagt sie. „Irgendwie ist das nicht richtig: So etwas zu sehen, und dann einfach nichts zu tun.“

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Das gleiche Gefühl hatte sie schon einmal. Mehr als 20 Jahre ist das mittlerweile her, damals ging es um Tschernobyl und die Kinder in den Waisenhäusern vor Ort, denen Biggi helfen wollte. Die Diplom-Pädagogin entwickelte mit anderen Akteuren ein Projekt, indem sie Kindern ermöglichte, sich fernab von ihrer Heimat von seelischen und körperlichen Belastungen erholen zu können. Noch heute engagiert sie sich für die gute Sache. „Für mich ist es selbstverständlich, etwas abzugeben“, sagt Biggi. „Mein Luxus ist: Ich kann etwas tun. Und da liegen mir die vergessenen Kinder dieser Welt besonders am Herzen.“

Jetzt also ein weiteres Projekt: Ubomi. Das hat Biggi gemeinsam mit Thomas Meisterknecht vom gemeinnützigen Verein SAGE Net und der Südafrikanerin Kholeka Matiwane ins Leben gerufen. Diese Mischung sei wichtig. „Wir wollen nicht als fremde Weiße vor Ort etwas aufbauen, das gar nicht dorthin passt. Wir wollen in konkreter Zusammenarbeit mit Menschen aus der Nachbarschaft etwas bewirken.“ Ubomi heißt auf Deutsch übersetzt „Leben“, und genau darum soll es gehen: Um das Essenzielle, das man zum Leben braucht. Der in beiden Ländern eingetragene Verein will verwaisten und vernachlässigten Kindern eine Anlaufstelle sein, täglich eine warme Mahlzeit ausgeben, Schulzugang ermöglich, sie auf ihrem Weg begleiten. Hoffnung spenden.

Biggis Vision: „In den nächsten Jahren wollen wir 100 Ubomi-Häuser in dem Township einrichten.“ Wie Inseln sollen sie zentral in den Township-Gemeinschaften wirken. „Ziel ist, die Menschen vor Ort ihren Kompetenzen entsprechend zu schulen und in die Arbeit einzubinden“, sagt Biggi. So könne die Betreuung und die Versorgung der Kinder im Ubomi von dafür qualifizierten Township-Bewohnern übernommen werden. Honoriert werden die Ubomi-Mitarbeiter mit Essenspaketen, um das Auskommen ganzer Familien zu sichern. 100 Häuser – ein ambitioniertes Ziel, das Biggi extra hoch gesetzt hat. „Ich bin optimistisch. Ich stelle nicht in Frage, dass wir das nicht schaffen.“ Nur: Dafür braucht Ubomi Partner.

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Einer dieser Partner sind die Jugendherbergen im Nordwesten – Biggis Arbeitgeber. Hier entwickelt sie seit mehr als fünf Jahren Produkte für die Herbergshäuser zwischen Nordsee und Sauerland. Ob Hausleitertagung oder andere Veranstaltungen, sie bekommt überall eine Plattform für ihr Anliegen – und auch tatkräftige Unterstützung durch das ganze Team. Biggi könnte sich vorstellen, das mehr Firmen künftig Partnerschaften mit Ubomi eingehen könnten, und zum Beispiel ihr ganz eigenes Ubomi-Haus mit Spenden unterstützen. Auch Einzelpersonen können einmalig oder regelmäßig spenden, um einen Teil zu den laufenden Kosten vor Ort für Essen und Betreuung beizutragen.

Aber: Noch steht der Verein ganz am Anfang. Dieses Jahr haben die Gründer genutzt, um langjährige Kontakte vor Ort – Thomas Meisterknecht lebt in Kapstadt – weiter auszubauen. Mit Erfolg: „Wir haben ein Gelände direkt neben einer Schule von der Kommune bekommen.“ Dort entsteht gerade das allererste Ubomi-Haus. „Das ist genial“, freut sich Biggi. „Wir können den Kindern so nicht nur eine Mahlzeit anbieten, sondern auch Spielfläche – und auch die Schule kooperiert bereits mit uns.“

„Wir wollen so viel wie möglich bewegen“

Sie selbst hat von ihrer Heimat Hannover aus mehr als 300 Restaurants und Supermärkte in der Region rund ums Township angeschrieben. Hat den Verein eintragen lassen, gemeinsam mit der Agentur Das Duell eine Webseite eingerichtet, potenzielle Partner in Deutschland gesucht. Nun, am 1. Weihnachtstag, geht es dann endlich los! Im Koffer ein großer Banner mit Logo des Vereins, dem Nötigsten für die kommenden Wochen an Gepäck und einer Mischung aus Vorfreude und Spannung im Bauch. „Kein Tag ist vorhersehbar“, gibt Biggi zu. Fest steht: Bis Ende Januar wird sie in Kapstadt sein, direkt im Township, und dort gemeinsam mit den anderen Vereinsmitgliedern das erste Ubomi-Haus bauen, das Gelände mit Spielgeräten planen, zusätzlich auch Container aufstellen und ganz viel Zeit in das Netzwerk vor Ort investieren. Schon Mitte Januar – so der Plan –sollen die ersten Kinder das Haus mit Leben füllen.

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„Wir wollen so viel wie möglich bewegen“, sagt Biggi. Konkret heißt das: Im Ubomi bekommen die Kinder neben warmem Essen auch Hausaufgabenbetreuung, Life-Skill-Trainings sowie Spiel-, Sport- und Kulturangebote. Dafür kooperiert der Verein mit vielen lokalen Akteuren, wie zum Beispiel einer Zirkusschule und einem Waisenhaus, das in Notsituationen auch Kinder aufnehmen kann.

In den vergangenen Wochen und Monaten konnte Biggi bereits viele großzügige Spenden einwerben. Aber damit sich das Projekt auf Dauer trägt, müssen jeden Monat etwa 1500 Euro zusammenkommen, um die Mitarbeiter vor Ort, die Mahlzeiten und die Betreuung zu bezahlen. Deswegen hofft die Hannoveranerin auf finanzielle Unterstützung – zum Beispiel über Patenschaften. Für monatlich zehn Euro kann beispielsweise ein Kind einen Monat lang mit einer warmen Mahlzeit versorgt werden kann. Für 40 Euro im Monat sind zudem Betreuung und pädagogische Angebote mit drin. „Ich hoffe, dass wir viele Unterstützer finden“, sagt Biggi. „Und wir somit vielen Kindern helfen können.“

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Biggi, das merkt man schnell, ist voller Tatendrang, kann ihren Einsatz kaum erwarten. Sie wird planen, anpacken, aufbauen. Wer weiß, vielleicht sieht sie ja auch einige der Kinder wieder, die sie im Januar 2016 kennen gelernt hat. Und auch, wenn noch nicht feststeht, wie viel Biggi in dem Leben der Kinder bewirken kann – die kleinen Sonnenscheine haben ihres bereits bedeutend verändert.

Wer Biggi und das Projekt Ubomi unterstützen will, findet hier alle nötigen Infos zu Patenschaften und Projekten. Auf Facebook und Instagram wird sie auch immer wieder live von ihrem Einsatz vor Ort berichten.

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